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Verenas‘ Worte am Begräbnis

Normalerweise wenn ich hier vorne stehe, steht immer Jakob neben mir, oder besser gesagt ich neben ihm und er direkt vor dem Mikro. Das war auch immer die beste Lösung, denn ich hätte in so einem Moment wie heute einfach gesagt: „Schön, dass ihr alle da seid!“

Und Jakob, der hätte 1000 schöne Worte gefunden und hätte euch damit alle mitten ins Herz getroffen.

Sieben Jahre bin ich aber neben ihm gestanden und hab viel von ihm gelernt. Ich hätte zwar nicht gedacht, dass ich mir seine Eigenschaften so schnell aneignen muss und statt für mich allein plötzlich immer für zwei Leute die Stellung halten soll, aber der Jakob hat mir damit eine rießen Aufgabe übergeben, die ich jetzt schaffen werde, weil jetzt ER neben MIR steht.

Und darum sind heute meine Worte etwas mehr ausgeschmückt, als nur „i gfrei mi dass ihr da seid“

 

Am Anfang möchte ich kurz was vorlesen, was ich in den letzten Tagen bekommen habe: (und ich habe viele solche Texte bekommen!) Danke für jeden einzelnen!

Es trifft vieles auf den Punkt und es hat mein Herz sehr berührt:

Es ist mir ein Anliegen, dir zu sagen, dass mir Jakob als unglaublich hilfsbereiter, starker Mensch in Erinnerung bleibt. Beeindruckt davon, dass er dafür gerade steht was er macht, denkt, sagt. Einer, mit dem man gut diskutieren kann, der nicht umfällt, wenn man andere Argumente bringt, sondern dafür aufsteht, wovon er überzeugt ist.
Mich hat immer wieder beeindruckt, dass er so intensiv lebt – sein Leben nicht aufschiebt, sondern im Heute lebt und das auch liebt.
Jakob ist für viele seiner Freunde und Mitmenschen ein Vorbild! Dadurch wird er nicht nur an einem Ort weiterleben, den wir noch nicht kennen, in deiner Liebe und in Michael und Andreas, sondern in vielen von uns!

 

Ich möcht euch gerne einen ganz normalen Alltag von uns erzählen:

In der früh hat für ihn nicht selten der Wecker schon um fünf geläutet.  Und jeder der bald aufstehen muss, weiß wie hart des is. Aber er hat des täglich durchgezogen, und damit ich und die Kinder nicht aufwachen, hat er bei seinem Wecker immer die leiseste Stufe eingestellt, hat ihn ins Nebenzimmer (ins Bad) gelegt und noch ein Gewand darüber gelegt, damit er so leise ist, dass er damit niemanden aufweckt. Also habe ich von dieser halben Stunde da meistens noch gar nichts mitbekommen.

Abschiedskuss    Und dann bevor er gefahren ist, egal wie stressig es schon war, ist er zu mir ins Bett gekommen und hat mir einen Abschiedskuss gegeben und mir einen schönen Tag gewünscht. Ich ihm auch und manchmal wenn noch ein paar Minuten übrig waren hat er sich noch zu mir gekuschelt.

Arbeit    Für die Arbeit hat er gelebt, wenn der Jakob ohne Arbeit angekommen ist, dann is er richtig nervös geworden. Arbeiten und „lehren“, oder „Prädigen wie ich es liebevoll genannt habe, hatten ihn erfüllt.  Ich habe ihm öfter gesagt, dass er einen richtig guter Pfarrer abgeben würde. :) Er hat oft gepredigt, er hat wirklich oft gepredigt. Ich hab mal gesagt: “pro Besuch in Sattledt daheim hat es mindestens eine Predigt gegeben für irgendjemanden“ (Ich habe auch das eine oder andere Mal eine bekommen – Er auch!)

Für ihn war mit anderen Menschen arbeiten dasselbe wie mit ihnen an einem Tisch zu sitzen und zu quatschen. Leider hat sich seine Geselligkeit manchmal auch in der Arbeitszeit bzw. Heim-Kommzeit ausgewirkt.

Papa kommt heim    Meistens ist er so um sieben heim gekommen. Wenn wir ihn draußen gehört haben, dann sind alle aufgesprungen und rauß gelaufen. Der Michael hat da immer so einen witzigen Lacher bekommen. Manchmal hat er sogar vor Freude geweint und beide habens den Papa überfallen und ihn nicht mehr ausgelassen. Ich höre seine Worte noch in meinen Ohren: „Hey Lumpis!“ und dann hat er sie freudestrahlend in die Arme genommen sich einmal umsich selbst gedreht mit ihnen.

Tagesbericht   und dann war er oft voller Euphorie mir gleich davon zu erzählen was er heute alles erlebt hat und welche seiner Kollegen ihn heute besonders gefreut haben. Von seinem Lehrling, den er unter seine Fittiche genommen hat, vom Andi, der ihn jeden Tag vom und zum Zug gebracht hat, vom Hoti, vom Delu die er so wertgeschätzt hat und vom Bubi, der den ganzen Tag Blödsinn geredet hat und damit seinen Tag so lustig gemacht hat. Von den Baggerfahrern und den Lastwagenfahrern. Den Hippi hama öfter auch wo getroffen, da mussten wir immer gleich hingehen und ein paar Worte quatschen. Er hatte in jedem das Beste entdeckt und höchste Wertschätzung ihnen gegenüber nach Hause getragen. (vor Allem auch zu seinem Chef Harald)

Mit wem er gescherzt hat und welche Bauherrn ihm so taugt haben, dass er unbedingt nach der Arbeit noch auf ein Bier bleiben hat „müssen“. Wir haben sogar in der Freizeit manchmal Häuser von ihm angeschaut und die Bauleute besucht. Manche davon hat er richtig ins Herz geschlossen, zum Beispiel die Santners oder auch den Christian und die Romana. 

Bier wirkt Wunder   Und wenn er nicht auf der Baustelle hängen geblieben is, dann bestimmt am Lagerplatz mit seinen Kollegen. Aber ein Bier nach der Arbeit hat ihn immer so fröhlich gemacht. Er ist heim gekommen mit Freude im Gesicht, war zu allen super freundlich und hat mich sofort an sich gedrückt und mir gesagt wie gern er mich hat. Ich hab ihn dann gefragt, weshalb er so gut drauf ist – er sagte freudestrahlend, dass er vorher ein Bier getrunken hat :). Ich hab ihm dann gesagt, er soll bitte jeden Tag eins trinken, ich habs so gern, wenn er so gut gelaunt heim kommt.

 

Wertschätzung   Für MEINE Arbeit unter Tags war er so unendlich dankbar. Er hat sofort erkannt, wo überall sauberer war als vorher und wenn noch essen auf ihn wartete, oder bloß das Bett aufgebettet war. ( i hab ja seine Liebessprache gewusst – Danke übrigens an Bernadette für das Buch „Die 5 Sprachen der Liebe“ zur Hochzeit)

An manchen Tagen hat man auch nichts von meiner Arbeit gesehen. Dann war er überzeugt davon, dass ich wichtige andere Dinge gemacht und vielleicht eine besonders tolle Mama an dem Tag war.

Über sowas hats bei uns nie Streit gegeben.

Abende für Familie   Den Abend hat er dann meistens irgendwo am Boden verbracht, sich von den Kindern bekrabbeln lassen und sich oft auch beim Bettgehen dann zu ihnen gekuschelt, obwohl sie immer auch so eingeschlafen wären. Nicht ganz uneigennützig :) Er war immer total erledigt.

Die Zeit nach den Kindern hat dann uns gehört. Fernseher haben wir keinen, aber des wissen sicher die meisten da herinnen, das war ja eine seiner Lieblings-Predigten, dass man in einer Beziehung keinen Fernseher haben sollte, weil wir nur so täglich die Qualität für uns sichern konnten. Wir haben im Durchschnitt 2 Stunden am Tag geredet miteinander.

 

ALLES AUSREDEN und bedingungslose EHRLICHKEIT –  Das Reden, war immer unser größter Schatz!!! Danke an den Franz und die Angela, die uns dazu immer wieder ermutigt haben. Und danke an meine Eltern, die mir diesen wertschätzenden Umgang gelernt haben.

Und Jakob hat unglaublich wertschätzend zugehört. Auch wenns mal nicht in seinen Plan gepasst hat. Er hat immer gesagt:

„ja i kanns nur annehmen, wertschätzen und respektieren, was du denkst, weil ich weiß, dass es immer Sinn macht was du dir denkst!“ Er hat auf meine Gedanken immer ganz viel gehalten und hat dann nach außen meine Gedanken Meinungen und Bedürfnisse auch zu den seinen gemacht und des so nach außen vertreten, als wären es die eigenen.

 

höchstes Gut: „MAMA“    Er hat immer gesagt, „Die Mama ist das Herz der Familie. wenns der Mama gut geht, dann geht’s uns allen gut!“ und das hat er auch so gelebt. Und i kann euch sagen, die sieben Jahre gemeinsam waren das schönste was mir passieren hat können.

Er war der Papa meiner Kinder, mein Mann, mein Liebhaber, meine Rückenstärkung und mein aller bester Freund. Keine Freundin hat ihm das Wasser reichen können.

 

GuteNachtKuss   Ins Bett sind wir immer gemeinsam gegangen. Einer hat auf den anderen gewartet. Und im Bett sind dann oft noch die letzten Meinungsverschiedeneheiten geklärt worden. Wir hatten einen fixen Vorsatz, wir schlafen nie im Streit gemeinsam im Ehebett ein.

Und in den ganzen sieben Jahren hat jeder von uns vielleicht einmal auf der Couch geschlafen. An allen anderen Tagen hatten wir Frieden zwischen uns.

Und die Friedenserklärung war der Gute Nacht Kuss, wenn der ausgeblieben ist, hat keiner von uns geschlafen.

Mit dem Gute Nacht Kuss und dem Guten Morgen Kuss hab ich Jakob auch am Dienstag zuletzt gespürt und es tut unheimlich gut zu wissen, dass nix ungesagt blieben ist. Es macht es mir viel leichter ihn jetzt auch gehen zu lassen.

 

An einem Tag wie heute bleibt die Welt kurz stehen, weil da gerade etwas unglaublich wunderbares passiert. Aus allen Richtungen seit ihr heute hierher gepilgert, aber mit einer großen Gemeinsamkeit.

Euch allen ist nämlich was passiert.    Manchen schon vor vielen Jahren, mir vor 7,5 Jahren und anderen erst vor kurzer Zeit.

Mit euch allen ist etwas passiert. Ein Phänomen, das vorgestern sein bester Freund so treffend formuliert hat:

„Man begegnet tausend Menschen und geht vorüber und dann lernt man Jakob kennen und man bleibt an ihm hängen.“

Euch allen ist das passiert, sonst wärt ihr vermutlich heute nicht hier.

 

SINN im Leben   In letzter Zeit hat Jakob oft vom Sinn des Lebens gesprochen und dabei erwähnt, dass er was hinterlassen will, was ihn selber überdauert.

Er möchte nicht für sich leben, sondern so leben, dass die nächste Generation davon auch wieder weiter leben kann.

Und drum möcht ich zum Abschluss mit euch kurz etwas für Jakob machen. Ihr könnts gerne auch die Augen dazu zu machen.

Ich bitte euch, denkst euch eini in eure Begegnungen mitn Jakob und überlegts, ob in euch sich etwas verändert hat nach dieser Begegnung. Ob er euch bewegt hat, beeindruckt hat oder ihr euch vielleicht sogar ein Stückchen von ihm abgeschaut habts. Und jeder der da eine Erinnerung dazu findet, in der Jakob was von ihm in euch hinterlassen hat, der soll bitte kurz aufstehen!

 

Jakob ich weiß, du stehst grad neben mir und ich hoffe, dass du zufrieden in die Runde schauen kannst und merkst, dass du deinen Lebenssinn bereits erfüllt hast. Vielleicht ist auch das der Grund, warum du uns jetzt schon verlassen hast, weil du einfach deinen Auftrag da herunten schon erfüllt hast.

 

Und jakob ich möchte, dass du mit gutem Gewissen dort sein darfst, wo du jetzt bist. Weil wir haben alle von dir gelernt! Und wenn wirs schaffen, dass wir nur halb so viel Energie aufbringen wie du das gmacht hast in oft ausweglosen Situationen, dann bin ich zuversichtlich, dass wir das jetzt auch schaffen werden.

Deine Familie, der Andreas und der Michael, waren dein größter Stolz. Danke für die Zeit mit dir, ich versuch es in deinem Sinne weiterzuleben!

Jakob, du bist das Beste was mir je passiert ist!

 

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Ein Gedanke zu „Verenas‘ Worte am Begräbnis“

  1. Liebe Verena!

    Ich habe gestern am Gipfel des Meisenkögerl das Bildchen von Jakob entdeckt. Und soeben habe ich mir auf eurer HP deine Begräbnisrede durchgelesen. Jakob erinnert mich so an meinen eigenen Freund, alleine die Vorstellung, dass es so ein Schicksal gibt, tut schon unendlich weh und du musst das durchmachen. Ich bin sehr traurig und würde so gerne was tun, doch da kann man nichts mehr tun. Wenn zwei sich streiten und im Streit sich trennen, kann man eventuell helfend eingreifen, doch da…
    Ich finde, diese Seite ist eine gelungene Einrichtung, um Jakob eine Plattform zu geben, euch wenn er nicht mehr da ist, ereilen dich sicher viele Botschaften und wer weiß, vielleicht steckt er hinter einer davon :-).
    Nun würde ich dir so gerne noch irgend etwas Bedeutsames schreiben aber alle Worte der Anteilnahme hast du sicher schon 1000 Mal gehört.
    Daher wünsche ich dir einfach etwas:
    Ich wünsche, dass es den Himmel tatsächlich gibt, dass ihr euch dort wieder findet und für immer zusammen sein könnt!
    Bis dahin wird schon noch etwas Zeit vergehen aber wenn es so weit ist, soll er dir seine Hand entgegen halten.

    Alles Liebe und erdenklich Gute
    Julia

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